Wer in der Region Sącz sagt, er fahre „nach Bryjów“, der fährt nach Stary Sącz. Das polnische Wiktionary verzeichnet das Wort als mundartlich, aus der Gegend von Podegrodzie, mit einem schönen Beispiel: „Lezę do Bryjowa na baciarkę“ [etwa: „Ich gehe nach Bryjów“]. Die Einwohner wiederum nannte man Bryjowiaken (Bryjowiacy).
Bryjka – die Suppe der armen Leute
Der Spitzname kommt von der Bryjka – einer dicken Suppe, eigentlich eher einem Brei aus Vollkornmehl, abgeschmälzt mit Grieben. Radio Kraków erinnert in einer Beschreibung der regionalen Küche daran, dass das Gericht offiziell cyr heißt, die Einheimischen aber lieber Bryjka oder „góralski budyń“ sagen – „Goralen-Pudding“. Im 19. Jahrhundert war sie für viele Familien der Region die Grundlage ihrer Ernährung, und weil man sie in Stary Sącz besonders gern aß, tauften die Bewohner der Sandezer Beskiden das Städtchen Bryjów.
Ein Spitzname mit Augenzwinkern
Schmeichelhaft war der Name nicht. Während Nowy Sącz wuchs und reich wurde, schlummerte Stary Sącz im Schatten der Klostermauern – daher, wie ein Blogger aus der Region schreibt, „ein leicht ironisches Epitheton, das umgangssprachlich unter Nörglern kursiert“. Heute erinnert sich kaum noch jemand daran, und manchem Einwohner mag er sogar beleidigend erscheinen.
Wir nehmen ihn mit Sympathie. Denn was gibt es Schöneres als eine Stadt, die sieben Jahrhunderte, Brände, Seuchen und Kriege überstanden hat – und sich ihrer Suppe aus Vollkornmehl nicht schämte?
Und wie hieß die Stadt wirklich?
Der wahre alte Name von Stary Sącz ist Sącz – lateinisch Sandech, Sandecz, Sandec. Die ältesten Belege stammen aus den Jahren 1224–1252. Der Name ist ein Besitzname: Er geht auf den Personennamen Sądek oder Sądko zurück – den Gründer des Burgwalls, von dem außer dem Namen nichts bekannt ist. Als 1292 an der Kamienica eine neue Stadt gegründet wurde, nannte man den alten Ort Antiqua Civitas – Altstadt – und später Stary Sącz („Alt-Sącz“). Mehr dazu im Kapitel Land und Name.